GymPAN Lesung Pröse

„So ein herrlicher Tag und ich soll gehen. Aber was liegt an unserem Leben, wenn durch unser Handeln Tausende von Menschen aufgerüttelt und geweckt werden.“ Diese Worte sagte Sophie Scholl kurz vor ihrer Hinrichtung am 22. Februar 1943. Ein Jahr zuvor hatte die damals 21-Jährige gemeinsam mit ihrem Bruder Hans die Widerstandsgruppe „Weiße Rose“ gegründet. Ihren offenen Widerstand gegen Hitler bezahlte sie mit dem Leben. Zum Gedenken an Sophie Scholl, die heuer 100 Jahre alt geworden wäre, lud das Gymnasium Pfarrkirchen den Journalisten Tim Pröse ein, den Schülerinnen und Schüler der Q11 aus seinem Buch „Jahrhundertzeugen – Die Botschaft der letzten Helden gegen Hitler“ vorzulesen. Schulleiter Andreas Rohbogner und Geschichtslehrer Stephan Katzbichler begrüßten den Autor in der Aula und zeigten sich sichtlich erfreut, dass nach einer langen Corona-Pause solche, das Schulleben bereichernde Veranstaltungen nun endlich wieder möglich sind.

Eine ungewohnte Stille herrscht während der Lesung in der Aula des Gymnasiums. Gebannt lauschen Schüler und Lehrer der emotionalen Erzählung des Autors. Er erzählt von den Mitgliedern der Weißen Rose, von Sophie Scholls Eltern, von ihrem Freund Fritz Hartnagel und ihrem Heimatort Forchtenberg. Immer wieder unterbricht er seinen Vortrag, um Zitate hervorzuheben oder kleine Anekdoten einzustreuen. So erfahren die Zuhörer unter anderem, dass Sophie Scholl als junges Mädchen zunächst vom Nationalsozialismus begeistert ist. Doch mit Kriegsbeginn kommen ihr Zweifel an diesem Regime gekommen. Gemeinsam mit anderen Studenten ruft sie gegen Hitler auf und verteilt Flugblätter. Und entscheidet sich damit bewusst für den Widerstand. Obwohl sie weiß, dass dies ihr das Leben kosten kann. Selbst am Tag ihrer Hinrichtung bereut sie ihre Entscheidung nicht.

 Pröse erzählt von den letzten Stunden der Geschwister Scholl vor ihrer Hinrichtung. In der Aula der Schule herrscht eine bedrückende Stille. „Die Minuten dehnen sich zur Ewigkeit. Endlich. 5 Uhr, 5.04 Uhr, 5.08 Uhr.“ Sophie Scholl war die Erste, die um 17 Uhr zur Fallschwertmaschine geführt wurde. Ganze sechs Sekunden dauerte es. Dann war sie tot. Doch ihre Botschaft, so der Autor, wirke bis heute: „Freiheit und ein friedliches Miteinander. Sophie Scholl ist gestorben. Aber ihre Idee ist höchst lebendig und lebt unter anderem hier.“ Pröse, der in München lebt, ist beeindruckt von den Schülern und ihrer Neugierde, die sich in zahlreichen Fragen an den Autor im Anschluss der Lesung äußert.

Stephan Katzbichler
Juli 2021