Inhalte über die DDR und das Leben in einer Diktatur im Geschichtsunterricht zu besprechen, ist eine Sache, aber die Möglichkeit, einem Zeitzeugen dabei zuzuhören, wie er diese Zeit durchlebt hat, eine ganz andere. Christian Koch ist einer von denjenigen, denen das Leben im SED-Staat zu eng wurde, die einen Fluchtversuch riskierten und schließlich eine Haftstrafe in einem Stasi-Gefängnis verbüßen mussten. Im Rahmen einer Video-Konferenz hatten wir die Chance, einen Einblick in seine Geschichte zu erhalten.

Koch Christian heute groß

Zeitzeuge Christian Koch

Der damals in Thüringen lebende junge Mann, wollte schon als Jugendlicher nicht in der DDR großwerden und fühlte sich vom „richtigen“ Leben in der Welt ausgeschlossen. Es gab zu viele auferlegte Hindernisse, die einen davon abhielten, sich individuell zu entwickeln, denn schließlich sollte alles nach den Vorgaben der Regierung ablaufen. „Es ging nicht darum, dass es anderswo schöner war, sondern in der DDR unerträglich!“, schilderte der Zeitzeuge seine damalige Motivation. Aus diesem Gedanken heraus überlegte er, wie viele andere auch, aus der Diktatur zu fliehen – bedauerlicherweise gelang ihm der Plan nicht.

Es folgten eine wochenlange Haft, abzusitzen in einem kleinen Raum ohne Licht und Fenster. Abgeschnitten von anderen Menschen, Freunden, Familie und der Welt im Allgemeinen – „der Mensch wird gebrochen. Die einzige Chance, sich nicht in den leeren, leblosen Zellen zu verlieren, war Kraft aus sich selbst zu schöpfen“, gab Herr Koch einen Einblick in seine damalige Gefühlwelt. „Die Tage ziehen sich, aber sie gehen vorbei. Jedes Detail wird zweimal, dreimal, viermal betrachtet.“ 1978 wird Herr Koch schließlich von der Bundesrepublik freigekauft - ein Glück, das nicht jeder genießen konnte.

Auf die Frage, ob er heute glücklich sei, antwortet er zögerlich, aber letztlich sei er mit sich, seiner Geschichte und den Geschehnissen im Reinen – auch wenn man ihm den Schmerz in seinen Augen dabei anmerkt.

Laura Engel, 10eE
Mai 2021