Dieser und anderen Fragen ging die Klasse 10beE im Rahmen des Sozialkunde-Unterrichts mit Hr. Katzbichler auf den Grund. Herr Prof. Dr. Claus-Christian Carbon von der Universität Bamberg hielt für uns einen sehr interessanten Online-Vortrag über Verschwörungstheorien, deren Entstehung und wie man am besten mit ihnen umgeht. „Verschwörungstheorien an sich sind nicht das Problem, sondern der Inhalt“, betonte Prof. Carbon zu Beginn seines Vortrags.

Ein Blick in die Geschichte zeigt, dass es Verschwörungen schon immer gab. Die Ermordung Julius Cäsars 2.000 Jahre v. Chr., die angeblich von Verschwörern begangen wurde, ist neben der bekannten „Dolchstoßlegende“ nur eine von vielen. Seit über 1000 Jahren gibt es also schon Verschwörungstheorien als Begleiter der Zeit und des Menschen.

Heutzutage müssen wir uns mit anderen Themen auseinandersetzen: Mit Trumps Vorwürfen zum Wahlbetrug, den Absichten von Bill Gates, uns alle angeblich „chippen“ zu wollen, oder auch mit der gewaltbereiten QAnon-Gruppierung. Erst durch das ständige Wiederholen von Unwahrheiten – z.B. von Popstars oder Politikern – schenken viele Menschen diesen letztlich Glauben.

Wie kann man aber nun überprüfen, ob Aussagen realistisch oder unrealistisch sind, egal welchen Standpunkt der Einzelne vertritt? Prof. Carbon hat in seinem Vortrag die wichtigsten Prüfmethoden erklärt, mit der man eine Verschwörungstheorie überprüfen kann. Als erstes sollte man sich die Frage stellen, ob diese hetzerisch, polemisch oder gegen Minderheiten gerichtet ist; dazu ist es auch von Bedeutung, sich Gedanken darüber zu machen, ob es relevant ist, der Sache nachzugehen. Auch sollte man nach Bedingungen suchen, die erfüllt sein müssen, damit die Kernaussage einer Verschwörungstheorie tatsächlich stimmt. Am bereits genannten Beispiel „Bill Gates“ hieße dies, sich die folgenden Fragen zu stellen: Ist es wirklich möglich, so viele Chips zu produzieren? Oder alle Mitarbeiter, die in der Impfbranche arbeiten, zum Schweigen zu bringen? Können all diese Voraussetzungen auch gleichzeitig erfüllt sein?

Im Bezug auf die Kommunikation mit Menschen, die an Verschwörungstheorien glauben, ist auch darauf zu achten, nicht fachlich, sondern empathisch mit ihnen sprechen. Man muss nicht 100% an eine Aussage glauben, aber man sollte sie nicht sofort pauschal abtun, da sich Personen bzw. Gruppen so immer weiter abspalten können.

Der Austausch der Menschen untereinander hat sich in den letzten Jahren durch die zunehmende Bedeutung des Internets stark verändert. Die neuen Möglichkeiten bringen viele Vorteile für Verschwörungstheorien mit sich; diese sind internationaler geworden, man kann sie sehr schnell verbreiten, es kostet nichts und benötigt kaum Zeit. Unterschiedlichste Gruppen können also das Internet zur Verbreitung ihrer „Meinung“ nutzen.

Am Ende der Konferenz stellten wir noch eine wichtige Frage: „Sind Verschwörungstheorien von Kultur zu Kultur unterschiedlich?“. Prof. Carbon zeigte auf, dass die Konspirationen, also der Kern einer Verschwörung, gleichblieben, jedoch deren Protagonisten ausgetauscht würden. In Europa seien es z.B. Juden und Muslime, in anderen Staaten Christen, welche im Zentrum einer Verschwörungstheorie stehen würden.

 VT Illustration Illustration zum Umgang mit Verschwörungstheorien,
erstellt von der 10beE
 VT Symbolbild  Symbolbild zur Veranstaltung der Bayerischen Landeszentrale für Polit. Bildung
 VT Prof Carbon

Prof. Dr. Christian Carbon (Bild: Universität Bamberg)

 María Luisa Sánchez-Tholen und Laura Engel, 10eE
März 2021